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Paartherapie BochumBirgit Baumann

Trennung oder bleiben – den Weg zur Entscheidung finden

Seit Monaten steht die Frage im Raum und wird nicht kleiner. Klärung ist möglich – und sie führt nicht zwangsläufig zu einem bestimmten Ergebnis.

Kommt Ihnen das bekannt vor

Wenn das Ihr Alltag ist

  • Seit Monaten denken Sie über eine Trennung nach, ohne es auszusprechen.
  • Sie bleiben, weil Gehen zu viel wäre – nicht, weil Sie sich fürs Bleiben entschieden hätten.
  • Im Kopf führen Sie die Beziehung schon getrennt weiter.
  • Eine Person hat innerlich abgeschlossen, die andere kämpft.
  • Weder ein Weiter noch ein Ende können Sie sich wirklich vorstellen.

Der Zustand vor der Entscheidung

Nicht in einer akuten Krise sind die meisten Paare, die mit dieser Frage kommen. In einem Zustand sind sie, der schon lange dauert: nicht schlimm genug, um zu gehen, nicht gut genug, um zu bleiben.

Zermürbender als eine Krise ist dieser Zustand. Ein Ende hat eine Krise. Keines hat der Schwebezustand, und jeden Tag kostet er Energie – für das Abwägen, für das Nicht-Aussprechen, für das Aufrechterhalten einer Normalität, an die keiner mehr ganz glaubt.

Deshalb steht am Anfang nicht die Entscheidung. Den Schwebezustand zu beenden ist die erste Aufgabe – in die eine oder die andere Richtung.

Weshalb die Entscheidung nicht von allein kommt

Unter falschen Bedingungen soll sie getroffen werden. Auf Gewissheit warten die meisten Menschen: auf ein Gefühl, das eindeutig ist, oder auf ein Ereignis, das ihnen die Entscheidung abnimmt.

Beides kommt selten. In langen Beziehungen sind Gefühle fast nie eindeutig. Und das Ereignis, das die Entscheidung abnimmt, ist meistens eines, das man sich nicht gewünscht hätte.

Hinzu kommt: Nicht über die Beziehung, wie sie ist, entscheiden viele Menschen, sondern über die Beziehung, wie sie geworden ist. Der Vergleich fehlt nach Jahren im Erschöpfungsmodus. Schwer beantworten lässt sich die Frage „Will ich das noch?", wenn seit drei Jahren niemand mehr die Möglichkeit hatte, etwas anderes zu sein.

Was Klärung heißt

Nicht, dass ich Ihnen sage, was richtig ist. Das kann und darf ich nicht. Klärung heißt, die Entscheidung unter besseren Bedingungen zu treffen als bisher.

Dreierlei gehört dazu.

Erstens: die Beziehung noch einmal fair ansehen. Nicht die letzten sechs Monate, sondern das Ganze. Was hat getragen, was ist verloren gegangen, zu welchem Zeitpunkt. Einen Moment, an dem etwas gekippt ist, können viele Paare dabei benennen – und dass an diesem Zeitpunkt etwas Konkretes stand, über das nie gesprochen wurde.

Zweitens: prüfen, ob Veränderung möglich ist. Manchmal lautet die Frage nicht „Trennung oder bleiben", sondern „Trennung oder etwas anderes als das hier". Ob dieses Andere möglich ist, zeigt sich erst, wenn man es versucht hat. Einen überschaubaren Zeitraum mit konkreten Veränderungen verabreden wir dafür.

Drittens: die eigene Beteiligung ansehen. Wer eine Beziehung verlässt, ohne den eigenen Anteil verstanden zu haben, nimmt ihn in die nächste mit. Keine Drohung ist das, sondern eine wiederkehrende Beobachtung.

Wenn beide unterschiedlich weit sind

Der häufigste Fall: Innerlich abgeschlossen hat eine Person schon, die andere kämpft. Schwer ist diese Konstellation, weil sie ungleich ist – bearbeitbar ist sie aber.

Ehrlichkeit über den Stand ist wichtig. Wer nur noch in die Sitzungen kommt, um sich hinterher sagen zu können, man habe alles versucht, sollte das benennen. Schmerzhaft ist das für die andere Person, aber weit weniger zerstörerisch als Monate voller Hoffnung, die keine Grundlage hat.

Wenn die Entscheidung eine Trennung ist

Gescheitert ist die Paartherapie dann nicht. Ein gutes Ergebnis ist eine geklärte, in Ruhe getroffene Trennung – besonders dann, wenn Kinder da sind.

Dann geht es darum, dass die Trennung fair verläuft: dass beide Seiten verstanden haben, was geschehen ist, dass Vorwürfe nicht zum Dauerzustand werden, und dass Sie als Eltern miteinander sprechen können, auch wenn Sie als Paar nicht mehr zusammen sind.

Mehr über die nächsten Jahre entscheidet erfahrungsgemäß die Art der Trennung als die Trennung selbst.

Wenn die Entscheidung ein Bleiben ist

Dann ist es idealerweise kein Bleiben aus Erschöpfung, sondern eine Entscheidung mit Inhalt: Wir bleiben, und dafür ändern wir Folgendes. In denselben Schwebezustand zurück führt ein Bleiben ohne Veränderung, meist innerhalb eines Jahres.

Als den eigentlichen Neuanfang beschreiben viele Paare diesen Moment im Nachhinein – nicht, weil danach alles leicht war, sondern weil zum ersten Mal seit Langem beide bewusst gewählt haben.

Woran sich merken lässt, dass sich etwas bewegt

Daran, dass Sie wieder in Zeiträumen denken. Nichts plant, wer im Schwebezustand steckt. Eine Richtung ist entstanden, sobald einer von Ihnen anfängt, über den nächsten Sommer zu sprechen – gemeinsam oder getrennt.

Vier Fragen, die weiterhelfen

Keine Entscheidung ersetzen diese Fragen. Sichtbar machen sie aber, worüber Sie eigentlich nachdenken.

Wovon nehmen Sie an, dass es sich nie ändern wird? Und trägt diese Annahme, oder ist sie das Ergebnis vieler gescheiterter Versuche?

Was würden Sie vermissen? Nicht was praktisch schwierig wäre, sondern was Ihnen wirklich fehlen würde. Schneller, als den Menschen lieb ist, kommt die Antwort oft.

Wenn Sie in fünf Jahren zurückschauen – was möchten Sie versucht haben? Erstaunlich klar beantworten die meisten Menschen diese Frage, obwohl sie die Gegenwartsfrage nicht beantworten können.

Was hält Sie tatsächlich? Zuneigung, gemeinsame Geschichte, die Kinder, das Haus, die Angst vor dem Alleinsein, die Sorge um die andere Person. Zulässig sind alle Gründe. Gekannt zu werden hilft ihnen.

Über den zeitlichen Rahmen

Keinen langen Zeitraum braucht diese Arbeit, aber einen verabredeten. Häufig setzen wir zunächst sechs bis acht Sitzungen an und prüfen dann gemeinsam, wo Sie stehen. In dieser Frage wäre ein offenes Ende kontraproduktiv – es verlängert genau den Schwebezustand, der beendet werden soll.

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