Direkt zum Inhalt
Paartherapie BochumBirgit Baumann

Wenn Sie immer denselben Streit führen

Der Anlass wechselt, der Ablauf bleibt gleich. Wer diesen Ablauf einmal von außen gesehen hat, kann an einer anderen Stelle aussteigen als bisher.

Kommt Ihnen das bekannt vor

Wenn das Ihr Alltag ist

  • Sie könnten den Streit auswendig mitsprechen, so oft hatten Sie ihn schon.
  • Der Auslöser ist jedes Mal ein anderer und wirkt hinterher lächerlich klein.
  • Eine Person geht raus, die andere bleibt aufgewühlt zurück.
  • Nach der Versöhnung ist alles gut – bis zum nächsten Mal.
  • Sie meiden inzwischen Themen, statt sie zu klären.

Der Streit ist nicht das Problem

Kein glücklicheres Paar ist das Paar, das nie streitet. Meistens hat es aufgehört, etwas voneinander zu wollen. Streit ist der Versuch, etwas zu erreichen: gehört zu werden, ernst genommen zu werden, Nähe herzustellen. Beteiligung zeigt sich darin.

Zum Problem wird es, wenn der Streit immer denselben Verlauf nimmt und nie an ein Ende kommt. Energie verbraucht er dann, ohne etwas zu klären. Und weil er nichts klärt, kommt er wieder.

Weshalb die Anlässe austauschbar sind

Haushalt, Geld, Schwiegereltern, Handynutzung, wer sich wie um die Kinder kümmert: Fragt man Paare, worüber sie streiten, kommen die üblichen Themen. Bei genauerem Nachfragen zeigt sich fast immer, dass diese Themen austauschbar sind. Fällt eines weg, rückt ein anderes nach.

Nicht dem Thema folgt der Streit, sondern einem Ablauf. Stabil ist der Ablauf, das Thema nur der Anlass, ihn zu starten.

Häufig sieht ein Ablauf so aus: Eine Person spricht etwas an. Die andere hört einen Vorwurf und rechtfertigt sich. Ungehört fühlt sich die erste und wird deutlicher. Angegriffen fühlt sich die zweite und zieht sich zurück oder greift an. Genau das, was sie befürchten, bestätigen sich beide gegenseitig.

Hartnäckig macht diesen Ablauf, dass jeder Schritt aus der Perspektive der handelnden Person vollkommen sinnvoll ist. Unvernünftig ist niemand. Angemessen reagieren beide – auf eine Situation, die es in dieser Form nicht gibt.

Die Rolle alter Prägungen

Praktisch wird hier die schematherapeutische Sicht. Bestimmte Empfindlichkeiten bringen Menschen aus ihrer Geschichte mit. Wer als Kind erlebt hat, dass Kritik gefährlich war, antwortet auf jede Rückmeldung mit Alarm. Wer erlebt hat, dass er nur zählte, wenn er funktionierte, antwortet auf Rückzug mit Panik.

Weder Diagnosen noch Schwäche sind diese Prägungen. Anpassungen sind sie, die einmal sinnvoll waren. Zwei solcher Systeme treffen in einer Partnerschaft aufeinander – und manchmal greifen sie so ineinander, dass jede Reaktion des einen das System des anderen weiter befeuert.

Klassisch ist dieser Fall: Nähe und Klärung braucht die eine Person bei Anspannung. Abstand braucht die andere bei Anspannung. Je stärker die erste nachsetzt, desto weiter zieht sich die zweite zurück. Je weiter sie ausweicht, desto dringlicher wird die erste. Beide haben recht, und beide machen es schlimmer.

Was in der Paartherapie geschieht

Wir zeichnen den Ablauf auf. Nicht als Theorie, sondern anhand eines konkreten Streits der letzten zwei Wochen. Wer hat welchen Satz gesagt, was hat das beim anderen ausgelöst, was folgte. Für viele Paare ist das der erste Moment, in dem sie den Streit als Bewegung erkennen statt als Schuldfrage.

Wir suchen den Punkt vor dem Punkt. Eine Stelle, an der er noch umkehrbar war, hat jeder Streit. Fast immer liegt diese Stelle früher, als beide denken – oft schon im ersten Satz oder sogar davor, in der Anspannung des Tages.

Wir üben eine andere Bewegung. Weder Schweigen noch Nachgeben. Etwas Drittes: in Worte fassen, was gerade geschieht. „Ich merke, ich mache gerade zu" ist ein Satz, der den Ablauf unterbricht, weil er nicht Teil des Ablaufs ist.

Wir klären, was ein Ende ist. Wie ein Streit endet, wissen viele Paare nicht. Sie hören auf, wenn beide erschöpft sind. Eine Form braucht ein Ende: eine Verständigung darüber, was verstanden wurde, und was offen bleibt.

Was sich verändert – und was nicht

Kürzere Streits, seltenere Eskalation, und wenn es eskaliert, finden beide schneller wieder zueinander: So berichten Paare typischerweise nach einigen Monaten. Die Themen bleiben. Zwischen zwei Menschen verschwinden die Unterschiede nicht.

Zum Streit selbst ändert sich die Beziehung. Er hört auf, die gesamte Partnerschaft zu bedrohen, und wird zu dem, was er sein sollte: eine Auseinandersetzung über eine Sache.

Wann eine andere Begleitung sinnvoller ist

Paartherapie ist nicht der richtige Rahmen, wenn in Ihren Auseinandersetzungen Gewalt vorkommt – körperlich, oder in Form von Drohungen und Einschüchterung. Zuerst braucht es dann Schutz und getrennte Unterstützung für beide Seiten. Im Erstgespräch sage ich das offen und nenne Ihnen passende Anlaufstellen.

Ein Beispiel, wie es typischerweise aussieht

Ein Paar, das es in dieser Form nicht gibt, aber in ähnlicher Konstellation häufig. Beide berufstätig, zwei Kinder, gut organisiert. An einem Dienstagabend beginnt der Streit mit der Frage, warum die Spülmaschine nicht ausgeräumt ist.

Sie sagt: „Ich habe heute den ganzen Tag alles gemacht." Er hört: Du bist unzuverlässig. Er sagt: „Ich war bis acht im Büro." Sie hört: Meine Arbeit zählt nicht. Sie wird lauter. Er wird still. Sie sagt: „Mit dir kann man nicht reden." Er verlässt den Raum.

Zwei Stunden später entschuldigen sich beide. Am Wochenende ist alles gut. Drei Wochen später läuft derselbe Ablauf an einem anderen Gegenstand wieder ab.

In der Sitzung wird sichtbar: Weder um die Spülmaschine geht es noch um Arbeitsteilung. Bei ihr steht die Frage im Raum, ob sie allein ist mit dem, was sie trägt. Bei ihm die Frage, ob er je genügt. Bleiben diese beiden Fragen unausgesprochen, verhandeln beide über Geschirr.

Was Sie selbst beobachten können

Eine einfache Beobachtung hilft, noch bevor Sie überhaupt einen Termin haben: Notieren Sie nach dem nächsten Streit drei Dinge. Was war der äußere Anlass? An welcher Stelle hat es gekippt? Und welchen Wunsch hätten Sie in diesem Moment gehabt?

Am aufschlussreichsten ist die dritte Frage. Fast nie lautet die Antwort „dass er den Müll rausbringt". Meistens lautet sie etwas wie „dass sie mir zuhört, ohne sofort zu widersprechen".

Woran sich merken lässt, dass sich etwas bewegt

Zuerst kürzer werden die Streits, nicht seltener. Dann verändern sie den Ton. Dann kommt der Moment, in dem einer von Ihnen mitten im Streit sagt: „Das ist wieder unser Ablauf" – und beide lachen kurz, weil es stimmt.

Ab da gehört der Streit Ihnen beiden und ist nicht mehr die Frage, wer angefangen hat.

Ihr nächster Schritt

Lernen Sie mich unverbindlich kennen

Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, worum es bei Ihnen geht und ob eine Zusammenarbeit vorstellbar ist.